Logo
 

Wo das Chaos herrscht

16. Juni 2010

Das Wetter, Autobahnstaus und Aktienkurse haben eines gemeinsam: Sie lassen sich langfristig nicht vorhersagen. Grund dafür sind komplexe Zusammenhänge, die kaum berechenbar sind. Geringste Abweichungen der zur Prognose verwendeten Daten können zu enormen Veränderungen des Ergebnisses führen. Ob so genannte "chaotische dynamische Systeme" auch in der betriebswirtschaftlichen Planung vorkommen, untersucht Prof. Dr. Michael Grabinski von der Hochschule Neu-Ulm gemeinsam mit drei wissenschaftlichen Mitarbeitern. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Forschung hat für das Forschungsvorhaben 600 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Insbesondere in der Logistik wird viel in die Planung langer und komplexer Versorgungsketten investiert. Treten dabei Chaoseffekte auf, ist das Ergebnis unbrauchbar. Das  Forschungsprojekt sieht deshalb vor, Größen z.B. in Bezug auf Zeitpunkt und Kosten eines Projekts zu identifizieren, bei denen ein chaotisches Verhalten unwahrscheinlich ist. Dazu werden zunächst Standortplanungen und Projektpläne beteiligter Partnerunternehmen untersucht. Parallel dazu werden die auftretenden Chaoseffekte anhand mathematischer Modelle berechnet und schließlich ein Ansatz für eine sichere Planung entwickelt.

 

Die Anwendung der Chaostheorie in der Naturwissenschaft geht auf Edward Lorenz zurück. In den 60er Jahren machte der amerikanische Meteorologe bei der Berechnung eines  Wettermodells mit einem Computerprogramm eine überraschende Entdeckung: Als er beim zweiten Testlauf eine Zahl verwendete, die weniger als 0,0001 von der ersten abwich, erhielt er vollkommen andere Ergebnisse als beim ersten Durchgang. Das bedeutet im übertragenen Sinne: Bereits der Flügelschlag eines Schmetterlings reicht aus, um die Wetterlage zu verändern. Diese Metapher wurde als "Schmetterlingseffekt" populär. Lorenz Erkenntnis zog zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen in verschiedenen Disziplinen nach sich.

 

"Chaos in langen Planungsketten" ist das zweite Forschungsprojekt der Hochschule Neu-Ulm, das in diesem Jahr vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Forschung positiv beschieden wurde. Die Erforschung von Verlagerungseffekten im Güterverkehr wird ebenfalls im Zeitraum von April 2010 bis März 2013 gefördert.



zurück
Hochschule für Angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Neu-Ulm | University of Applied Sciences
Wileystraße 1, 89231 Neu-Ulm, Germany, Phone: +49(0)731-9762-0, E-Mail: info (at) hs-neu-ulm.de